Werner-Heisenberg-Gymnasium Garching

Prof.-Angermair-Ring 40, 85748 Garching, Tel.: 089 - 31 888 450

Heisenberg

Heisenberg

Professor Werner Heisenberg

1901 - 1976


Biographie

 

Heisenbergs Leben in Bildern

Der junge Werner Heisenberg mit Familie Besuch des Maximiliansgymnasiums Hefteintrag Hefteintrag Arbeit an der Universität von Kopenhagen bei Niels Bohr Über den anschaulichen Inhalt der quantentheoretischen Kinematik und Mechanik Heisenberg in späten Jahren

 

Lebensdaten

1901

 

5. Dezember: Werner Karl Heisenberg wird in Würzburg als Sohn des Universitätsprofessors und bekannten Byzantinisten August Heisenberg geboren.

1911 - 1920

 

Besuch des Maximiliansgymnasium.

1920 - 1923

 

Studium der Physik in München, wo er bei Arnold Johannes Wilhelm Sommerfeld promoviert.

1924

 

Assistent von Max Born in Göttingen, bei dem er habilitiert.

1924 – 1925

 

Arbeit an der Universität von Kopenhagen bei Niels Bohr.

1924 - 1927

 

Heisenberg begründet zusammen mit Max Born und Pascual Jordan die Quantenmechanik.

1927 - 1941

 

Professor an der Universität Leipzig und Leiter des Theoretisch-Physikalischen Institutes in Leipzig.

1927

 

Veröffentlichung seiner Theorie "Über den anschaulichen Inhalt der quantentheoretischen Kinematik und Mechanik". Die "Heisenberg'sche Unbestimmtheitsrelation", nach der es physikalisch unmöglich ist, Ort und Impuls z.B. eines Elektrons für den gleichen Zeitpunkt mit absoluter Genauigkeit zu bestimmen, wird zu einer der größten Entdeckungen seit Bestehen der Quantentheorie.

1928

 

Veröffentlichung des Buches "Die physikalischen Prinzipien der Quantentheorie".

1929

 

Vortragsreisen in die USA, Japan und Indien.

1933

 

Nachträgliche Verleihung des Physik-Nobelpreises 1932 für seine Arbeiten zur Quantenmechanik und Verleihung der Planck-Medaille.

1936

 

Infolge seiner Anerkennung und Verteidigung der Forschungsergebnisse u.a. von Albert Einstein und Lise Meitner wird Heisenberg von den Nationalsozialisten diffamiert und seine Berufung auf den Münchner Lehrstuhl für Physik zurückgezogen. Heisenberg arbeitet daraufhin in aller Stille in Leipzig weiter.

1936

 

Heirat mit Elisabeth Schumacher. Aus der Ehe gehen sieben Kinder hervor.

1941 - 1945

 

Direktor des Kaiser-Wilhelm-Institutes, dem späteren Max-Planck-Institut in Berlin und Professor an der Universität Berlin.

1945 – 1946

 

Heisenberg wird zusammen mit anderen Atomforschern in England interniert.

1946 - 1957

 

Professor und Leiter des Max-Planck-Institutes für Physik in Göttingen. Heisenberg beschäftigt sich mit der bei Atomspaltungen im Weltall entstehenden kosmischen Strahlung.

1948

 

Gastdozent in Cambridge/England.

1949 – 1951

 

Präsident des Deutschen Forschungsrates und der Akademie der Wissenschaften in Göttingen.

1950

 

Gastdozent in den USA.

1952

 

Vizepräsident des "Europäischen Rates für kernphysikalische Forschung".

1954

 

Erneut Gastdozent in den USA.

ab 1953

 

Arbeit an der Suche nach der "Weltformel", einer einheitlichen Theorie der Materie, die alle Grundgesetze der Natur erfassen soll.

1953 – 1975

 

Erster Präsident der am 10. Dezember 1953 von der Bundesrepublik Deutschland wiedererichteten Alexander von Humboldt-Stiftung mit Sitz in Bonn-Bad Godesberg.

1955 - 1956

 

Gastdozent an der University of St. Andrews / Schottland.

1957

 

Unterzeichnung der Göttinger "Erklärung der 18 Atomwissenschaftler", die auf die Gefahren der Atomwaffen hinweist und sich gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen ausspricht.
Verleihung des Orden "Pour le Mérite".

1958

 

Heisenberg hält in Göttingen einen Vortrag über seine "Einheitliche Theorie der Elementarteilchen", die als "Weltformel" bekannt wird.

1958 - 1970

 

Professor an der Universität München und Leiter des Max-Planck-Institutes für Physik in München.

1964

 

Auszeichnung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband.

1971

 

Einweihungsfeier des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Garching.

1976

 

1. Februar: Werner Heisenberg stirbt in München.


Rede an die ersten Schüler des WHG

 

„Liebe Schulgemeinde,

Da diese schöne Schule nun meinen Namen tragen soll, schien es Eurem Direktor gut, dass Ihr auch den Namenspatron dieser Schule mal persönlich kennen lernt. Nun will ich Euch natürlich keinen feierlichen Vortrag halten, sondern ich glaube, das Beste ist, wenn Ihr mich kennen lernen wollt, dass ich aus meiner eigenen Schulzeit erzähle und erzähle, wie ich von den Dingen, die ich in der Schule getrieben habe, so langsam in die Interessengebiete reingekommen bin, die mich dann später im Lauf meines Lebens beschäftigt haben.

Ich bin natürlich nicht hier zur Schule gegangen, sondern in München drin und zwar ins Max-Gymnasium und die von Euch, die oft nach München reinkommen, die werden ja wissen, wo es liegt, hinter der Erlöserkirche rechts liegt so ein großes, gelbes Gebäude, das ist das Max-Gymnasium.
Und da habe ich also das gelernt, was Ihr jetzt hier in der Schule lernt, Latein und auch später Griechisch und all die Dinge und vielleicht sollte ich zuerst erzählen, wie ich in die Mathematik hereingekommen bin, die brauchte ich ja später im Leben sehr viel. Mathematik ist ja im allgemeinen ein Fach, vor dem sehr viele fürchterliche Angst haben, das viel Schrecken erregt, aber ich bin auf sehr harmlose Weise reingekommen, nämlich dadurch, dass bei uns zu Hause Spiele sehr beliebt waren. Also, wenn am Sonntag mal schlechtes Wetter war und wir nicht nach draußen gehen konnten, so spielte unser Vater mit uns zwei Buben, meinem Bruder und mir, immer gern irgendwelche Spiele, Mühle fahren, Dame spielen, Schach spielen, und was es alles so schönes gab. Doch die schönsten Spiele werden nach einiger Zeit langweilig und mein Vater, der selbst nun ein guter Lehrer war, dachte sich, es schadet ja nichts, wenn die Kinder beim Spielen auch etwas lernen. Nun hatte mein Bruder, der zwei Jahre älter war, einen sehr guten Mathematiklehrer und der gab seine Aufgaben immer in irgendwelchen schönen Verkleidungen, also so etwa: eine Hausfrau geht mit ihrem Hund in einen Laden und will 2 Pfund Fleisch kaufen und 3 Pfund Gemüse. Das kostet so und so viel und der Hund frisst dann noch eine Wurst und was kriegt man nachher vom Kaufmann wieder raus, wenn er 50 Mark mitnimmt. Diese Art von Aufgaben, die standen auch im Buch, und da sagt mein Vater: wir können ja diese Aufgaben um die Wette lösen. Wer’s zuerst hat, hat gewonnen. Und dann merkte ich Lauf dieser Sonntage, dass ich’s immer ein bisschen besser konnte als die anderen und schneller fertig wurde und so wurde mein Interesse am Rechnen und dann an Mathematik geweckt und der Lehrer merkte das dann auch und dann gab er mir mal so ein Göschen-Bändchen über Differenzial- und Integralrechnungen in die Hand und sagte: na, du verstehst ja noch nichts davon, aber schau dir’s mal an, vielleicht lernst du doch was. Und so hab ich relativ früh die Mathematik gelernt. Das war also die Art, wie ich in die Mathematik reingekommen bin und ihr seht, das war ganz harmlos und vergnüglich und hatte mit sehr schwierigen Dingen eigentlich gar nichts zu tun. Dann die Physik. Ja,

(...) Mit Physik habe ich später sehr viel zu tun gehabt, die hab ich natürlich so gelernt wie sicher viele von Euch auch: Ich habe angefangen zu basteln. Damals konnte man noch nicht Radio basteln, weil’s noch gar kein Radio gab, das war noch nicht erfunden. Aber es gab schon Elektromotoren, es gab Transformatoren und solche Sachen und ich hab damit angefangen, kleine Elektromotoren zu basteln mit meinem Bruder zusammen und dann waren wir natürlich ungeheuer stolz, wenn wir dieses Ding zum Laufen kriegten und wenn damit sogar irgendwelche kleinen Dinge angetrieben werden konnten. Aber das netteste Spielzeug dieser Art war, es war nun schon die Zeit des 1. Weltkrieges, eine Bogenlampe, die wir gebaut hatten. Da hatte uns irgend jemand 2 Kohlestücke für solche Bogenlampen geschenkt und Ihr wisst wahrscheinlich gar nicht mehr, was das ist, weil’s die jetzt kaum mehr gibt, aber die waren ja eine sehr helle Beleuchtung, zum Teil auch auf den Straßen und damit haben wir Jungs uns einen Scheinwerfer gebaut. Wir wohnten damals in der Hohenzollernstrasse und da müsst ihr wissen, dass hinter der Hohenzollernstrasse schon die grünen Wiesen anfingen. Jetzt liegt die Hohenzollernstrasse mitten in Schwabing drin, aber damals konnte man von unserem Kinderzimmer aus über die Felder schauen und auf der anderen Seite dieser Felder war ein Haus, in dem ein Schulfreund meines Bruders wohnte. Er hieß Heilmeier und wurde später ein bekannter Internist.

Mit ihm zusammen haben wir Scheinwerfer gebaut und haben abends, wenn’s dunkel war, uns gegenseitig Lichtsignale zugeschickt mit Morsealphabet, das haben wir gelernt und wir fanden es also furchtbar spannend, uns da irgendetwas über die Schule per Lichtsignal zu erzählen. Das hatte nun eine unangenehme Folge, denn eines Tages kam die Polizei, es - war ja Krieg - und sagte, hier seien Spione am Werk und diese Spione signalisierten wohl irgendetwas für Agenten, die da auf den Wiesen rumliefen oder für feindliche Flugzeuge, die ganz selten auch mal kamen. Item, es wurde bedenklich, wir wurden verhört, aber natürlich löste sich alles in Wohlgefallen auf, denn mein Vater konnte glaubhaft nachweisen, dass wir halt bloß spielten und weiter nichts Böses taten.

Weil ich schon vom Krieg erzähle, damals hat sich für uns Kinder der Krieg nur so bemerkbar gemacht, ja höchstens dadurch natürlich, dass der Vater lange Zeit im Feld war und dann verwundet zurückkam, aber hauptsächlich dadurch, dass wir zu wenig zu Essen bekamen. Wir haben dann immer mehr und mehr gehungert. Im Jahr 17 war’s so schwierig, dass wir uns wirklich nur noch schwer aufrecht halten konnten und dann bin ich für ein Jahr lang in die Landwirtschaft gegangen und hab als Knecht auf einem Bauernhof in Miesbach gearbeitet, um mich wieder richtig herauszufüttern. Ich hatte da noch alle mögliche schöne Sachen an Schularbeit mitgenommen, ein lateinisches Lexikon und den Caesar Bellum Gallicum und so etwas, aber ich muss gestehen, ich war so müde, dass ich das ganze Jahr das Buch nicht ein einziges Mal aufgeschlagen habe. Aber auch das hat nichts geschadet, das gehörte eben damals zum Leben dazu.

Nun muss ich vielleicht noch erzählen, wie ich auf die Atomphysik gekommen bin. Also wo habe ich zum ersten Mal mit Atom zu tun bekommen? Ja, in unserem Schulbuch ist auch etwas von Atom gestanden, das fand ich ich aber ziemlich unvernünftig, was da stand, das konnte ich nicht glauben. Da waren so Atome abgebildet mit Haken und Ösen, mit denen sie sich aneinander hängen und das fand ich, das musste Unsinn sein. Ich habe mich mit meinem Lehrer furchtbar gestritten, er meinte, er könnte mir damit doch irgendwie ein Verständnis vermitteln, aber dann hab ich’s auch wieder vergessen und die eigentliche Bekanntschaft mit den Atomen ist später auf ganz merkwürdige Weise zustande gekommen und da muss ich wieder etwas von der Kriegszeit erzählen.

Der erste Weltkrieg ging ja verloren, die geschlagenen Armeen strömten nach Deutschland zurück und dann brach in München natürlicherweise aus dem Unglück über den verlorenen Krieg die Revolution aus. Der König wurde verjagt und es entstand eine sog. Räterepublik in München und das war eine recht unangenehme Zeit, weil auf den Strassen immer wieder herumgeschossen wurde. Man musste sich in Acht nehmen, nicht da irgendwie hineinzugeraten und dann wurde auch einfach geraubt und geplündert, d.h. es kamen plötzlich Leute in die Wohnung und raubten die Wohnung aus. Mir selbst ging’s mal so: ich fuhr mit dem Rad ins Max-Gymnasium, um zur Schule zu kommen, und dann kam ein Rotgardist auf mich zu und sagte: das Rad gehört mir. Hab ich gesagt: aber ich brauch’s doch für die Schule und da nahm er seine Pistole und sagt, so gibst du mir das Rad her und da hab ich’s ihm natürlich gegeben. Ich war kein Held, also hab ich ihm das Rad gegeben, nicht? Ganz einfach! Und dann hatte ich eben kein Fahrrad mehr und das war sehr schlimm, Und dann kam eine Zeit, wo die Regierung, die bayerische Regierung, die vom Landtag nun ja geleitet war, dass die sagte, ja also, das in München geht jetzt nicht mehr so weiter, das München muss jetzt wieder von Regierungstruppen besetzt werden und dann wurde München umzingelt und da war Garching eine der Stellen, die schon besetzt waren von den Regierungstruppen. In München aber ging’s uns sehr schlecht, denn es kamen gar keine Lebensmittel mehr rein, keine Milch, kein Brot, keine Butter, gar nichts mehr und dann kriegten nur noch die Anhänger dieser roten Regierung, dieser roten Soldaten usw. bekamen etwas zu essen und wir bekamen nichts mehr zu essen. Einen Tag ohne Essen geht noch, zwei Tage ist schon schlechter und wie wir 3 Tage lang überhaupt nichts mehr gegessen hatten, keine Brotkrume mehr, und meine Mutter nur noch weinte, da hab ich dann mit meinem Bruder zusammen beschlossen, jetzt müssen wir was unternehmen, so geht das nicht weiter. Nun wusste ich, dass hier in Garching, und darum erzähle ich die Geschichte, dass hier in Garching ein Bauer wohnte, der war im Kriege Feldwebel in der Kompanie meines Vaters gewesen. Und mein Vater, der Hauptmann war, der hat sich mit dem Feldwebel immer gut vertragen. Wir fragten den Vater, ob wir nicht zu dem Bauern gehen dürften, um zu sehen, ob da was zu Essen kriegen. Der Vater hatte zuerst Sorge, das zu erlauben, denn dann mussten wir durch die Linien der Kämpfenden durch, denn das Garching war ja schon von Regierungstruppen besetzt, aber schließlich sagt er: na ja, verhungern hat auch keinen Zweck, gut, geht mal los. Dann sind wir also zu zweit, noch mit einem Freund zusammen, hierher gegangen.

Nun muss ich erzählen, dass schon von Freimann ab waren praktisch nur noch Wiesen da. Es gab natürlich die beiden alten Dörfer Dirnismaning und eben Garching, aber sonst war das alles Bauernland und zum Glück gab’s an der Strasse auch noch viel Gebüsch. Nun die letzte rote Feuerlinie, das waren so Maschinengewehre, die auf dem Bahndamm standen, die war bei Freimann und da konnten wir uns im Gebüsch da dran vorbeischlängeln und wahrscheinlich haben die uns auch mal gesehen und haben gedacht: Ach, diese Kinder, die soll man ruhig durchlassen. So Ernst war das alles nicht und wir sind also in Dirnismaning dann mit großer Begeisterung auf die Regierungstruppen gestoßen und haben denen gesagt, wir wollen was zu Essen haben und das kriegen wir in Garching. Dann sind wir also bis zu diesem Bauern in Garching gekommen, der gar nicht weit von dieser Schule aus seinen Hof gehabt haben muss. Ich hab gerade, wie ich hergefahren bin, versucht, diesen Hof noch zu finden, aber ich muss gestehen, solange hat mein Gedächtnis dann doch nicht mehr gereicht. Vielleicht ist der Hof auch gar nicht mehr da. Item! Wir haben uns dann den ganzen Rucksack voll Lebensmittel füllen lassen, wunderbares Stück Fleisch, und viel Butter und Brot und alles, einen so großen Rucksack voll, dann haben wir die Dunkelheit abgewartet, sind in die Isarauen und sind dann im Schutz der Nacht in den Isarauen wieder durch die Feuerlinien hindurchgegangen. Auf der anderen Seite wurde ziemlich viel geschossen, da wurde sogar mit Artillerie geschossen, in Ismaning war ein Gefecht im Gang, aber wir kamen ungeschoren wieder nach Hause. Es war nachts 2 Uhr, bis wir nach Hause kamen. Die Eltern hatten natürlich eine furchtbare Angst um die Kinder. Das war nicht zu verhindern, weil sie nicht wussten, was los war, aber dann hat meine Mutter noch nachts um zwei ein wunderbares Essen gemacht und die ganze Familie wurde wieder zum ersten Mal satt.

Und so waren also die Zeitläufe damals. Und in diesem Zusammenhang habe ich nun die Atome kennen gelernt und zwar auf folgende Weise: ich habe mich dann, wie die Regierungstruppen allmählich München erstürmten, es waren einige Gefechte - also nicht sehr viele - man musste sich halt einfach zu Hause halten, wenn man nicht getroffen werden wollte, es war nicht so schlimm.

Dann habe ich mich bei den Regierungstruppen gemeldet als eine sog. stadtkundige Ordonanz.

Ich war damals 16 Jahre alt und die Regierungstruppen brauchten Leute, die die Stadt kannten und da wurde ich einquartiert in ein Gebäude gegenüber der Universität, also in der Ludwigstraße. Auf der anderen Seite, da ist auf der linken Seite ein Priesterseminar und in diesem Priesterseminar war damals dieses Armeequartier, das nannte sich Schützenkommando 11. Bei dem war ich eingeteilt und dann musste ich untertags eben die Soldaten oder Offiziere durch die Stadt führen und aufpassen, dass nichts passierte und nachts musste ich am Telefon sitzen und Telefongespräche vermitteln und da war’s dann so, dass ich morgens von 4 Uhr ab eigentlich nichts mehr zu tun hatte, da waren keine Telefongespräche mehr und da fand ich, jetzt könnte ich auch ausruhen und da hab ich mich häufig oben in der aufgehenden Sonne aufs Dach gelegt. Da gab’s so eine schöne Dachrinne, in der man gut liegen konnte, und in dieser Dachrinne habe ich manchmal geschlafen, aber dann bin ich mir drüber klar geworden, dass ich ja demnächst wieder in die Schule muss und dass ich auch wieder Griechisch lernen muss und da hab ich mir die Dialoge von Platon mitgenommen auf diese Dachrinne und habe in diesen Dialogen von Platon versucht, mein Griechisch wieder aufzupolieren und wie der Zufall so will, ich bin auf den Dialog Timaios gestoßen und in dem Dialog ist von den Atomen die Rede. Und da bin ich hängen geblieben deswegen, weil die Stellen plötzlich schwer zu übersetzen waren und noch viel schwerer zu verstehen waren. Item! Ich hab dann angefangen mich sozusagen geistig herumzuraufen mit diesen sehr komischen Vorstellungen in dem Platonischen Dialog und hab eigentlich bei der Gelegenheit ein echtes Interesse für die Atomphysik gewonnen. Also in dieser Weise bin ich teilweise durch die Schularbeit aber eben auch durch solche komische Zufälle wie diese Dachrinne da auf dem Priesterseminar in die Atomphysik hereingekommen.

Nun muss ich schließlich noch von einem letzten Gebiet erzählen, das mich auch mein Leben lang beschäftigt hat, obwohl es nichts mit meiner Berufsarbeit zu tun hat, das ist die Musik.
Wir hatten damals einen wirklich ausgezeichneten Deutschlehrer, der nicht nur uns über Literatur viel erzählte, sondern der uns einen allgemeinen Unterricht in Kulturgeschichte gab, so möchte ich’s erklären. Also erstens, war er ein sehr merkwürdiger Mann. Er konnte sehr schlecht sehen, er bewegte sich sehr ungeschickt. Die Kinder haben am Anfang immer über ihn gelacht und er konnte z.B. auch gar nicht gut vortragen, also ein Gedicht wie ein Schauspieler schön vortragen, davon hatte er keine Ahnung. Aber er hatte eine merkwürdige Fähigkeit einem zu erklären, was an so einem Gedicht schön war. Er fing etwa mit der letzten Zeile an und mit dieser letzten Zeile ist es ihm gelungen, ein ganzes Bild zu entwickeln, was in dem Gedicht gesagt war. Item! Wir haben den Lehrer dann alle sehr gern gehabt und haben ihm furchtbar gern zugehört, wenn er uns über irgendwelche kulturellen Dinge erzählte, darunter eben auch über jetzt nicht nur die Dichter, sondern auch die Musiker. Und er hat uns immer vorgeschwärmt von der Kammermusik. Er sagte immer, die Haydn’schen Streichquartette ist das schönste, was überhaupt auf der Welt geschrieben wurde und so, sodass ich von daher eine große Lust bekam, mich mit Kammermusik zu beschäftigen und da ich nun zu Hause Klavierspielen gelernt hatte, fand ich dann auch bald Schulfreunde, einen Geiger und einen Cellisten. Ich hab mich gefreut, dass es das bei Euch auch gibt und hab dann zu Hause und in der Schule viel Kammermusik gemacht, hab dann im Schulorchester mitgespielt auf dem Klavier. Das war noch ein bisschen primitiv, heute tut man’s nicht mehr, weil es schlecht klingt, aber das war damals so üblich und hab, wie gesagt, dann mich sehr viel beschäftigt mit Beethoven’schen Trios, Quartetten, dann Haydn’schen Streichquartetten usw. sodass ich also z.B. bei der Abiturfeier ein Beethoventrio mit zwei Schulkameraden zusammen gespielt habe und drum hat’s mich gefreut zu hören, dass Ihr solche Dinge auch macht.

Ja, alle diese Dinge, die ich also da in der Schule so zuerst aufgeschnappt hab, teils gelernt hab, teils eben dazu angeregt worden bin, haben dann später eine große Rolle gespielt, aber ich glaube von der späteren Zeit sollte ich Euch nicht erzählen. Das ist ja eine Zeit, die Euch erst bevorsteht und in die Ihr erst hereinwachsen müsst. Ich kann nur sagen, dass ich von den 4 verschiedenen Gebieten, die ich genannt hab, und die mir da in der Schule begegnet sind, später im Leben immer wieder große Freude gehabt hab, dass sich da wissenschaftlich so viel entwickelt hat, dass es eine ganz große Freude war, da mit seinem Leben teilzunehmen und ich kann Euch also nur wünschen, dass Ihr in Eurem späteren Leben an dem, was Ihr hier lernt, ebensoviel Freude haben werdet wie ich."

Werner Heisenberg, 1971

 


 

Nobelpreisträger und Professor in Zeiten des Dritten Reiches


Bereits mit 25 Jahren bekam Heisenberg im Oktober 1927 den Nobelpreis zugesprochen, der ihm freilich erst sechs Jahre später, im Jahr der Machtergreifung Hitlers, überreicht wurde. Gründe für diese zeitliche Verschiebung sind nicht bekannt. Es ist jedenfalls unangebracht, dahinter nationalsozialistische Verwicklungen zu vermuten. Denn während er in den nächsten Jahren mit seinen Mitarbeitern wichtige neue Quantentheorien entwickelte, waren nationalsozialistische Physiker wie der Nobelpreisträger Johannes Stark bemüht, Heisenberg und andere Vertreter der modernen theoretischen Physik, die sich mit  Relativitätstheorie und Quantenmechanik beschäftigten, als „jiddische Physiker“ zu diffamieren. In einer SS-Zeitung wurde Heisenberg unter der Überschrift „Weiße Juden in der Physik“ als Verräter bezeichnet.
Als Arnold Sommerfeld, Heisenbergs geistiger Mentor, in den Ruhestand ging, wünschte er sich seinen ehemaligen Starschüler als Nachfolger. Auch andere bekannte Physiker setzten sich für Heisenberg ein. Dennoch wurde ihm ein völlig unbekannter, aber regimekonformer Wissenschaftler vorgezogen. Das NS-Regime beabsichtigte sogar, Heisenberg in ein KZ einzuliefern. Dafür relevante Anschuldigungen und Verdächtigungen wurden erst nach einem Jahr voller Ängste und Sorgen und einem Einspruch bei SS-Führer Heinrich Himmler fallen gelassen. Dass diese Konfrontation mit den Nationalsozialisten in der gesamten deutschen Physikergemeinschaft tiefe Spuren hinterließ und eine Wende in ihrer Beziehung zum Hitler-Regime darstellte, ist nicht verwunderlich.
Dennoch blieb Heisenberg in Deutschland, freilich ohne je Sommerfelds Professorenstelle zu erlangen. Stattdessen konnte er 1942 immerhin eine Stelle als Professor der theoretischen Physik an der Universität Berlin antreten, nachdem er kurz zuvor Bekanntschaft mit Elisabeth Schuhmacher, der Tochter eines Berliner Professors, gemacht hatte, die er wenig später heiratete und mit der er insgesamt sieben Kinder hatte.


 

Forschung im Bierkeller

 


 

Heisenbergs Uranprojekt in Haigerloch

Aus Anlass des hundertsten Geburtstages von Werner Heisenberg am 5.12.2001 fuhr im Oktober diesen Jahres eine Schülergruppe des Werner-Heisenberg-Gymnasiums Garching nach Haigerloch und nahm dort an einer Führung durch einen kleinen ehemaligen Bierkeller teil, bei der sie eine gute Stunde lang ausführlich über die Versuche von Professor Heisenberg, insbesondere über sein Uranprojekt informiert wurde.

Im Dezember 1939 erkannte Heisenberg, dass man aus hoch angereichertem Uran sehr starken Sprengstoff herstellen kann. Mitten im Zweiten Weltkrieg waren er und seine Mitarbeiter dann gezwungen, wegen der Bedrohung der Hauptstadt durch die Alliierten ihre Forschungen aus Berlin weg zu verlegen, wobei ihre Wahl auf Haigerloch, eine Gemeinde zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb, fiel, wo sich Walter Gerlach, einer der Forscher am Uranprojekt, gut auskannte. Inmitten von Hügeln und Tälern, fernab größerer Städte, schien dieser Ort ausreichend Schutz vor feindlichen Tieffliegern zu bieten. In einem alten, aufgegebenen Bierkeller betrieben Heisenberg und seine Kollegen hier ihre Forschungen an einem Uranreaktor. Dieses als „Atomkellerchen“ bezeichnete „ Labor“ ist unauffällig in einem Hügel unter einer Kirche verborgen, in der Heisenberg zur Abwechslung und Entspannung des Öfteren Orgel gespielt haben soll.

Zur gleichen Zeit arbeiteten in Amerika Wissenschaftler im Rahmen des Manhattan-Projekts mit allem Nachdruck daran, die erste Atombombe fertig zu stellen, die rund 5,5 t Uran erforderte und etwa zwei Milliarden Dollar gekostet haben dürfte. Schon für einen Versuchsreaktor verbrauchten die Amerikaner dabei weit mehr Geld und Uran als die deutschen Wissenschaftler für ihre Forschungen überhaupt zur Verfügung gestellt bekamen.

Der Reaktor in Haigerlochbestand aus einem großen Metallzylinder, gefüllt mit schwerem Wasser, in dem das Uran in Form von kleinen Würfeln hing. Als Moderator zur Abbremsung der schnellen Neutronen wurde neben schwerem Wasser noch ein Graphitmantel verwendet. Die Neutronenvermehrung stieg im Inneren des Zylinders zwar an und es schien auch, als ob der Reaktor wirklich kritisch werden könnte, wozu es letztlich aber doch nicht reichte. Bis Kriegsende gelang es so den deutschen Wissenschaftlern nicht, den Kernreaktor zu einer Kettenreaktion zu führen, da sie die Isotopen des Urans nur unzulänglich trennen konnten. Diese Trennung aber ist unerlässlich, da das für die Spaltung notwenige Uranisotop im natürlichen Uran nur zu 0,7 Prozent vorkommt.

Nach der Besetzung Deutschlands durch die alliierten Truppen wurden die verantwortlichen Wissenschaftler um Werner Heisenberg von den Amerikanern interniert. Das deutsche Forschungsprojekt lag zu diesem Zeitpunkt etwas zwei Jahre hinter der amerikanischen Entwicklung zurück.


 

Heisenbergs Unschärferelation

Artikel aus dem Lokalteil der Süddeutschen Zeitung

Zum 100. Geburtstag von Werner Heisenberg, einem der bedeutendsten Wissenschaftler des letzten Jahrhunderts, haben sich einige Klassen des gleichnamigen Gymnasiums in Garching, welches das seltene Glück hatte sogar von ihrem Namensgeber eingeweiht zu werden, ihm zu Ehren etwas besonderes einfallen lassen:

Der K12-Grundkurs Chemie setzte es sich zum Ziel, Kollegiatenreferate zur Unschärferelation und über Heisenbergs wissenschaftliches Umfeld in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem Arbeitsvideo zusammenzustellen.

Die Unschärferelation ist ein Prinzip der Quantenmechanik, nach dem es unmöglich ist, Ort und Impuls eines subatomaren Teilchens gleichzeitig und mit beliebiger Genauigkeit festzustellen. Wir berechneten die Unschärfe der Geschwindigkeit eines Tischtennisballs und eines Elektrons nach der Formel

Man kann also entweder nur den Ort x oder den Impuls mv eines Teilchens genau messen. Je genauer man die eine Größe bestimmt, desto größer wird die Unschärfe in der Messgenauigkeit der anderen Größe.

Dabei stellt sich heraus, dass die Unschärfe beim Tischtennisball sehr gering ist, so dass man sie vernachlässigen kann. Die Geschwindigkeit v des Elektrons lässt sich jedoch nicht bestimmen, da die Unschärfe der Geschwindigkeit im mikrokosmischen Bereich zu groß wird.

Für Heisenberg besonders bedeutend war die Zusammenarbeit mit Niels Bohr, deren Ergebnis 1927 die Kopenhagener Deutung war, die sich aus dem Welle-Teilchen-Dualismus ableitet. Bereits zwei Jahre zuvor, 1925, hatte Werner Heisenberg zusammen mit Pascual Jordan und Max Born in der von ihm so bezeichneten 3-Männerarbeit den Grundstein für die Quantenmechanik gelegt.

Die Videoreferate unseres Grundkurses befassten sich auch mit Louis Victor de Broglie, der die Wellennatur des Elektrons wissenschaftlich etablierte und mit Erwin Schrödinger, dessen 1926 aufgestellte Schrödinger-Gleichung so bedeutsam für die Orbitaltheorie wurde. Das Orbital als der Bereich der höchsten Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Elektrons im Atom ist besonders für das Verständnis chemischer Reaktionen in unserem Kollegstufenkurs Chemie sehr wichtig. Das Pauli-Prinzip und die Hundsche Regel, die ebenfalls Inhalt unseres Projekt-Videos sind, lassen jeden Chemieschüler den Aufbau des Periodensystems der Elemente leichter verstehen. Wolfgang Pauli und Friedrich Hund waren enge Arbeitskollegen Heisenbergs.

So gilt auch für Werner Heisenbergs Zeit, dass alle großen Erkenntnisse aufgrund wissenschaftlicher Zusammenarbeit entstanden sind.